Schmerz & Feldenkrais
Stress & Feldenkrais
Warum hören manche Schmerzen nicht auf –
und was hat Bewegung damit zu tun?
Der Rücken zieht, der Nacken ist steif, die Hüfte macht Probleme – seit Monaten, seit Jahren. Sie waren beim Arzt, vielleicht beim Orthopäden, beim Physiotherapeuten, bei der Osteopathin. Manche Befunde waren unauffällig, manche Behandlungen haben kurz geholfen. Aber die Schmerzen kommen immer wieder. In unserer Feldenkrais-Praxis in Wuppertal begegnen wir diesem Thema täglich und gehen es anders an.
Vielleicht haben Sie auch gehört: „Da kann man nichts mehr machen“ oder „Damit müssen Sie leben.“ Das ist frustrierend und oft der Punkt, an dem Menschen anfangen, anders über ihren Schmerz nachzudenken.
Schmerz ist nicht nur ein Signal, er ist ein Muster
Wenn etwas wehtut, suchen wir nach der Ursache: ein verschlissenes Gelenk, eine verspannte Stelle, ein eingeklemmter Nerv. Das ist sinnvoll, und manchmal findet sich auch etwas. Aber bei überraschend vielen Schmerzproblemen lässt sich keine eindeutige körperliche Ursache feststellen. Bei Rückenschmerzen zum Beispiel ist das in über 80 % der Fälle so.(Quellenangabe:
Deutsches Ärzteblatt, 19. März 2025: aerzteblatt.de/news/ruckenschmerzen-wirksamkeit-nur-fur-eine-von-zehn-behandlungen-nachgewiesen)
Dr. Moshe Feldenkrais stellte eine andere Frage: Nicht „Wo sitzt der Schmerz?“, sondern „Was tut der ganze Mensch, dass der Schmerz bleibt?“
Denn Schmerz betrifft nie nur eine Stelle. Er verändert, wie Sie sich bewegen, wie Sie atmen, wie Sie sich halten und er verändert, wie Sie sich selbst wahrnehmen.
Weniger spüren heißt nicht weniger Schmerz
Wenn Schmerzen länger andauern, passiert etwas Paradoxes: Die Empfindlichkeit nimmt ab, aber nicht der Schmerz. Das Nervensystem dreht die Sensibilität herunter; als Schutz. Kleine Veränderungen in der Haltung, die normalerweise sofort auffallen, werden nicht mehr wahrgenommen. Muskeln spannen sich an, ohne dass Sie es bemerken.
Die Folge: Sie steuern Ihren Körper mit immer weniger Informationen. Wie jemand, der mit beschlagener Brille Auto fährt – die Bewegungen werden gröber, weniger abgestimmt, anstrengender. Und das erzeugt noch mehr Spannung, die noch mehr Schmerz produziert.
Dieser Kreislauf erklärt, warum Dehnübungen und Wärmeanwendungen manchmal nur kurz helfen: Sie setzen an der Stelle an, die wehtut – nicht an der Art, wie Sie sich insgesamt bewegen.
Im Schmerz kann nichts Neues entstehen
Stellen Sie sich vor, Sie versuchen, eine neue Sprache zu lernen während Ihnen jemand auf den Fuß tritt. Sie würden sich nicht auf die Vokabeln konzentrieren, sondern auf den Schmerz.
Genau so funktioniert es auch mit Bewegung. Wenn neue Bewegungsweisen in Gegenwart von Schmerz ausprobiert werden, haben sie kaum eine Chance, als angenehm empfunden zu werden. Der Körper kehrt zu seinen alten Gewohnheiten zurück; zu genau den Mustern, die den Schmerz aufrechterhalten.
Das erklärt auch eine Erfahrung, die viele Menschen kennen: Bestimmte Übungen helfen, solange man sie macht, aber die alten Muster kehren zurück, sobald man aufhört.
Feldenkrais' Schlussfolgerung war einfach und radikal: Echte Veränderung braucht Aufmerksamkeit, nicht Anstrengung. Und Aufmerksamkeit ist nur möglich, wenn kein Schmerz im Weg steht.
Der Mensch, nicht die Stelle
Schmerz erzählt manchmal eine andere Geschichte
Ein Arzt untersucht die Stelle, die wehtut. Das ist seine Aufgabe und das ist richtig so. Aber Feldenkrais beobachtete in seiner Arbeit immer wieder: Der Ort des Schmerzes und der Ort der Ursache sind häufig nicht derselbe.
In der Feldenkrais-Arbeit zeigen sich manchmal überraschende Zusammenhänge: Jemand mit Kniebeschwerden entdeckt, dass sich die Knie anders anfühlen, wenn er seine Hüfte freier bewegt. Eine Frau mit Nackenverspannungen bemerkt, dass sich ihr Nacken entspannt, wenn sie anfängt, den Brustkorb beim Atmen mitzubewegen.
Schmerz kann Ausdruck einer ganzen Lebensgeschichte sein, die sich im Körper niedergeschlagen hat. Nicht als Einbildung – sondern als tief eingeübtes Muster, das so vertraut geworden ist, dass man es nicht mehr bemerkt.
Deshalb fragen wir nicht nur: „Wo tut es weh?“ Wir schauen, wie Sie sich insgesamt bewegen, wie Sie sitzen, stehen, atmen. Erst im Gesamtbild zeigt sich oft, was den Schmerz aufrechterhält.
Fühlen statt Überfordern
In unseren Stunden arbeiten wir nicht gegen den Schmerz. Wir arbeiten um ihn herum und schaffen die Bedingungen, unter denen Ihr Nervensystem Neues lernen kann:
Bewegungen, die so sanft und langsam sind, dass kein Schutzreflex ausgelöst wird. Aufmerksamkeit für Unterschiede, die Sie bisher nicht wahrgenommen haben. Und die Erfahrung, dass weniger Anstrengung oft mehr bewirkt als jedes Krafttraining.
Wir akzeptieren, wenn jemand sagt: „Ich habe jetzt weniger Schmerzen.“ Das klingt bescheiden, aber es ist ein echtes Zeichen dafür, dass sich etwas verändert. Denn wer anfängt, sich leichter zu bewegen, macht oft eine überraschende Erfahrung: Der Schmerz rückt nicht mehr so sehr in den Vordergrund.
Das ist kein Versprechen, dass Ihre Schmerzen verschwinden. Es ist die Erfahrung, dass sich oft mehr verändern lässt, als Sie erwarten.
Entdecken Sie es selbst.
Ob sich durch einen anderen Blick auf Bewegung auch Ihr Schmerzerleben verändert, finden Sie am besten heraus, indem Sie es selbst ausprobieren. Kommen Sie zu einer kostenfreien Probestunde, unverbindlich und ohne Erwartungsdruck.
Nächste Probestunde:
Montags um 18:00 Uhr oder mittwochs um 09:30 Uhr.
Oder sprechen Sie uns an, wenn Sie eine persönliche Einzelstunde bevorzugen. Besonders bei länger bestehenden Schmerzthemen kann das ein guter Einstieg sein.